Brutstatistik

Jahr                             Mast Kläranlage                 Beringt?            Pappelreihe Schützenhaus
                           Geschlüpft         Ausgeflogen                                  Geschlüpft         Ausgeflogen
2023                           2                         2                                                   3                         3
2022                           3                         3                                                      
2021                           3                         3                      ja
2020                           3                         2                      ja
2019                           3                         3                      ja
2018                           3                         3

Storchenentwicklung

2023 haben in Hessen wieder 1.289 Storchenpaare gebrütet, über 2.500 Jungstörche wurden geboren. Das ist der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen. In vielen Gebieten dürfte mittlerweile der Sättigungspunkt erreicht sein. Limitierend ist vor allem das Nahrungsangebot. Störche fressen Mäuse, Würmer, Großinsekten, Frösche, Eidechsen und Jungvögel. Die Zahl der Großinsekten hat in den letzten Jahrzehnten besorgniserregend abgenommen, die Population der Amphibien ist nach den Trockensommern komplett zusammengebrochen, die Zahl der Eidechsen ist minimal, sodass die Störche in unseren Breiten vor allem Mäuse und Würmer zu sich nehmen. Kontraproduktiv wird es dann, wenn sie auf Nester von stark gefährdeten Bodenbrütern stoßen und die Eier oder Jungvögel als willkommene Happen betrachten. Bei hohen Storchendichten hat es z.B. die Feldlerche schwer. Daher haben wir vom NABU Rödermark auch entschieden, keine weiteren Nistplattformen zu errichten. Übrigens stehen alle 4 von uns errichteten potenziellen Nistplattformen nur deshalb auf Ober-Röder Gebiet, weil es hier die entsprechenden mausreichen Wiesen gibt. Im Stadtteil Urberach ist das Nahrungsangebot für die Störchen bedeutend schlechter.

Wagenräder auf Pappelreihe

Bereits 2016 hatte der NABU von der Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Patricia Lips 2 alte Wagenräder geschenkt bekommen. Holzwagenräder werden häufig auf Dächern als Nistplattform montiert. Schnell war klar: die Räder sollten in die Pappelreihe am Hörnersgraben nahe dem Schützenhaus Diana montiert werden. Zum einen, weil die umgebenden Wiesen ausreichend Nahrung bieten sollten und zum anderen, weil Störche ihre Nester gerne auf abgebrochenen Pappelstämmen bauen und die Pappeln hier eh bald das Ende ihres Lebenszyklusses erreicht haben.

Auch hier dauerte es mehrere Jahre bis alles stimmte und ein Termin mit den nötigen 2 Baumsteigern gefunden werden konnte. Im Februar 2021 war es soweit. Zwei Pappeln mit geeigneten Astgabeln wurden ausgewählt, die Spitzen der Pappeln wurden bis zu den Gabelungen gekappt und die von allen Metallteilen befreiten Wagenräder heraufgezogen und in den Gabelungen fixiert. Während in den ersten 2 Jahren nur sporadisch andere Vogelarten wie Nilgänse, Graureiher, Rabenkrähen oder Mäusebussarde auf den Plattformen gesehen wurden, war 2023 plötzlich ein junges Storchenpaar da (beide beringt und 2020 geschlüpft) und hat hier erfolgreich gebrütet.

Der 2. Mast

Nachdem der 2. Mast nicht wie ursprünglich geplant ebenfalls auf der Kläranlage aufgestellt werden konnte, stellte sich die Frage nach einem geeignetem Ersatzstandort. Möglichst vandalismussicher sollte dieser sein, trotzdem mit Maschinen gut zugänglich, in der Nähe sollte es gute Nahrungswiesen geben und der Flächeneigentümer muss natürlich zustimmen. Nachdem viele Alternativstandorte geprüft und wieder verworfen wurden, haben wir die schmale private Wiese neben dem Erststandort an der Kläranlage für geeignet empfunden.

Schwierigkeiten machte auch das Finden einer Methode, den Mast sicher in die Erde zu bekommen, ohne den ganzen technischen und finanziellen Aufwand des Fundaments zu wiederholen. Letztendlich haben wir ein schmales Loch baggern lassen, ein 2-m-langes Kunststoffrohr mit 40 cm Durchmesser versenkt, die Erde wieder zugeschüttet und verdichtet und mithilfe eines Mietkrans den 12 m langen Mast in das Rohr eingeführt und fixiert. Im Dezember 2022 war es endlich so weit: auch der 2. Mast mit seiner Nistplattform stand sicher.

Nicht bedacht hatten wir die Territorialität unseres langjährigen Storchenpaars, das zum einen sämtliches von uns vorinstalliertes Nistmaterial aus dem neuen Nest entfernte und in das eigene hinüberflog und zum anderen sämtliche Störche, die das Nest potenziell hätten besetzen können, attackierten und aus „ihrem Revier“ vertrieben.

Die Anfänge

Nachdem Mitte der 2010er Jahre in Rödermark wieder regelmäßig Störche zu sehen waren, die wahrscheinlich aus der steigenden Population an der Gersprenz stammen, kam die Idee auf, das Wappentier des NABU auch in Rödermark wieder zum Brutvogel zu machen. Es bedarf über ein Jahr intensiver Vorbereitung, bevor im März 2016 ein Mast auf dem Gelände der Kläranlage in Ober-Roden aufgestellt wurde.

Bereits im März 2015 wurde mit Sozialpraktikanten der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule 2 Nistplattformen gebaut. In intensiven Gesprächen mit der Stadt und den Kommunalen Betrieben Rödermark wurde die Erlaubnis eingeholt, 2 Masten im Bereich der Kläranlage aufzustellen. Mit Zustimmung der Stadt erhielten wir im Sommer 2015 von der Revierförsterin den Stamm einer gefällten Douglasie, den wir noch im Wald auf unsere Bedürfnisse hin zusägten. Jagdpächter Adam Winter transportierte den 11,5 m langen Stamm zur Kläranlage. Eine Bodenhülse wurde besorgt, ein Ende des Stamms auf die Größe der Hülse zurechtgeschnitten, ein Statiker errechnete als Sachspende Tragfähigkeit und notwendige Fundamentierung. Von der Entega wurde ein ausgemusterter Telefonmast als Basis für die 2. Nistplattform kostenfrei angeliefert. Im Herbst 2015 wurde von den Kommunalen Betrieben an der präferierten Stelle ein Loch für das Fundament ausgehoben, für das ein Drahtgeflecht zur Armierung zusammengestellt wurde. Die Schlosserei Heu baute ebenfalls als Sachspende 2 Metallkonstruktionen, um die hölzerne Nistplattform am runden Mast sicher zu befestigen. Eine Spendenaktion wurde gestartet, die am Ende 17 Spenden in einer Gesamthöhe von rund 1.700 € einbrachte.

In der Zwischenzeit musste der 2. Standort aufgrund von technischen Problemen im Untergrund aufgegeben werden.

Im Januar 2016 wurden dann fast 4 Kubikmeter Beton in das Loch gefüllt. Nach dessen Aushärtung wurde dann Mitte März 2016 mit Hilfe eines Autokrans der Firma Frank Winter der Mast in die vorbereitete Hülse gestellt und befestigt. Mit dem Leiterwagen der Feuerwehr wurde im Anschluss die Nistplattform auf den Mast gestülpt und provisorisch befestigt, bevor dann eine Woche später unter Beteiligung der Öffentlichkeit und des damaligen Bürgermeisters Kern die Nistplattform festgezogen und damit zur Nutzung freigegeben wurde.

Bereits eine Woche später wurde der erste Storch auf der neuen Plattform gesichtet. Im Folgejahr 2017 hielt sich während der gesamten Brutzeit von März bis Juli ein Storchenpaar auf der Plattform auf, allerdings ohne zu brüten. Wie sich später herausstellte, war zumindest einer der beiden ein 2015 in der Fasanerie Klein-Auheim geschlüpfter Jungstorch, der noch nicht geschlechtsreif war. Das hatte sich ein Jahr später geändert, das gleiche Paar kam wieder und brütete erstmals erfolgreich. Seitdem kehren die beiden jedes Jahr zu ihrer Nistplattform zurück und brüten hier erfolgreich.