NABU Hessen: Biber sind wichtiger Teil der Strategien zur Klimaanpassung
Angesichts der weiter anhaltenden Dürre, stetig neuer Rekorde des Niedrigwassers in Flüssen und versiegender Bäche in den Mittelgebirgen gewinnt der Biber als natürlicher Klimaschützer immer mehr an Bedeutung. „Der Biber schafft Feuchtgebiete, verbessert die Gewässerstruktur, hält das Wasser in der Landschaft zurück und fördert die biologische Vielfalt. Das macht ihn zu einem wichtigen Partner bei den notwendigen Anpassungen an die Auswirkungen der Klimakrise“, erklärt der Landesvorsitzende Maik Sommerhage. Die Zunahme trockener und heißer Jahre bringe wachsende ökologische und ökonomische Herausforderungen an den Gewässerschutz mit sich. Als „Ökosystemingenieur“ sei der Biber ein wichtiger und kostengünstiger Teil von zukunftsfähigen Lösungen. Der NABU fordert die Landesregierung auf, sich verstärkt für den natürlichen Klimaschutz mit dem nützlichen Landschaftsgestalter einzusetzen. Bisher lebten Biber nur an rund zehn Prozent der hessischen Fließgewässer. „Wir brauchen in Hessen mehr Raum für Bäche und Flüsse durch die Ausweisung von breiten natürlichen Uferstreifen. Und wir brauchen die Anerkennung der großen Ökosystemleistungen durch den Biber“ so Sommerhage. Deshalb sollte es in der Kompensationsverordnung künftig Ökopunkte dafür geben, wenn Biber dabei mithelfen, Auen wieder naturnah zu gestalten. Zudem sollte bei der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie der Schutz von Biberrevieren als Maßnahme zur Gewässerrenaturierung vorgesehen werden. Generell gelte es, den Biber grundlegend in die Klimaanpassungs-Strategien des Landes zu integrieren.
Biber ist Schlüsselart für Wasser
Wie das Jahr 2026 deutlich zeigt, bringt der Klimawandel in Hessen häufigere und längere Hitzeperioden bei gleichzeitig unregelmäßigeren oder ausbleibenden Regenfällen mit sich. Bei lokalen Hitzegewittern fließt der Regen auf den ausgetrockneten Böden schnell ab, ohne den Grundwasserspiegel ausreichend zu füllen. Die Folge sind sinkende Grundwasserstände, versiegende Quellen und ausgetrocknete Bachläufe im Sommer. Hier kann der clevere Baumeister Abhilfe schaffen. „Der Biber ist eine Schlüsselart für den Wasserrückhalt. Seine Bauwerke schaffen natürliche Wasserspeicher, die auch in langen Trockenphasen wertvolle Dienste leisten. Durch den Bau von Biberdämmen wird der Wasserabfluss verlangsamt, es kann mehr Wasser versickern, das in die Grundwasserreserven einzahlt. Das ist in Dürresommern wie in diesem Jahr besonders wichtig“, erläutert die NABU-Gewässerexpertin Dr. Sybille Winkelhaus.
Kostengünstige Klimaanpassung
Neben den ökologischen Effekten durch den Biber ergeben sich auch bedeutende ökonomische Vorteile. So wurde in einer Studie im Auftrag des NABU Baden-Württemberg vergleichend untersucht, wie teuer die Renaturierung eines Bachabschnitts mit den üblichen technischen Mitteln und alternativ mit dem Biber ist. Die Kosten-Nutzen-Analyse zeigt, dass die Klimaanpassung mit dem Bagger etwa 100.000 € kostet, während das Biber-Management nur mit rund 3.700 € zu Buche schlägt. „Gerade in Zeiten knapper Kassen und wachsender Klimarisiken sollten wir die Leistung des nützlichen, fleißigen Bibers anerkennen und viel stärker für uns nutzen. Während alle von Bürokratieabbau und Planungsbeschleunigung reden, setzt der Wasserbaumeister Biber einfach um und erspart dadurch Kosten in Millionenhöhe. Daher können wir es uns schlicht nicht leisten, auf seine Leistungen zu verzichten. Natur schützen, Klimafolgen abmildern und gleichzeitig öffentliche Mittel effizient einsetzen – das gelingt mit dem Biber“, so Dr. Winkelhaus.