Von Aussterben bedrohter Großer Eichenbock in Rödermark gefunden

Im Rödermark Wald wurde letztens ein vom Aussterben bedrohtes Insekt gefunden.

Der Große Eichenbock (Cerambyx cerdo) gehört mit seinen bis 5 cm Körperlänge zu den größten Käfern Europas. Die Fühler der Männchen können sogar doppelt so lang werden. Er ist derzeit vom Aussterben bedroht und genießt deshalb den besonderen Schutz des europäischen Naturschutzrechtes, das ihn in den Anhängen II und IV der so genannten FFH-Richtlinie führt. FFH steht für Fauna, Flora und Habitat, auf deutsch also für Tiere, Pflanzen und ihren jeweiligen Lebensraum. Das bedeutet für den Eichenbock, dass die Länder der EU die Lebensräume, in denen er noch vorkommt und die für sein Überleben unabdingbar sind, streng schützen müssen.  

Eichenbock im Flug. (Foto: Herwig Winter)

Nur in Eichenwäldern zuhause

Welches sind nun die Lebensräume des Eichenbocks? Auch darüber gibt der Name bereits Auskunft. Er benötigt Eichenwälder; aber nicht solche, wie sie durch die moderne Forstwirtschaft allenthalben entstanden sind, wenn denn überhaupt noch Eichen gepflanzt wurden. Denn in diesen Wäldern stehen die Bäume meist dicht an dicht und sind gleich alt. Mit solchen Alterklassenwäldern kann der Eichenbock absolut nichts anfangen. Er braucht lockere Waldstrukturen und, was noch viel wichtiger ist, alte, sehr alte Eichen, die eines natürlichen Todes sterben, wozu es im modernen Nutzwald kaum noch kommt. Wieso ist der Eichenbock derart anspruchsvoll? Das hängt mit der Entwicklung seiner Larve zusammen.  

Unser Lebensbaum in Rödermark Wald (Foto: Doris Lerch)

Langlebige Larven und kurzlebige Käfer

Der Eichenbock als Käfer wird nur rund zwei Monate alt; meist Ende Mai oder Anfang Juni ist er aus der Puppe geschlüpft und Ende Juli, Anfang August stirbt er. In dieser relativ kurzen Zeit, in der sich die Tiere vom Saftfluss verletzter Eichen ernähren, paaren sie sich und das Weibchen legt einige hundert Eier jeweils einzeln in die Rinde alter Eichen. Nach rund drei Wochen schlüpfen die Larven und fressen bis zum Winter in der äußeren, lebenden Schicht unter der Rinde. Im zweiten Lebensjahr fressen sie sich durch die äußeren Holzschichten, im dritten bis fünften Lebensjahr ins Kernholz.

Die Larven werden also mindestens drei, meist aber fünf Jahre alt, daumendick und bis zu 10 cm lang, ehe sie sich verpuppen. Entsprechend sieht eine vom Eichenbock befallene Eiche, wenn sie denn endgültig stirbt und umbricht, wie ein Schweizer Käse aus. Doch so lange wie die Larven in ihr leben muss auch die Eiche leben. Denn die Larven ernähren sich nicht etwa von dem Holz, wie das eine Reihe von Holzkäfern machen, sondern von den Nährstoffen im Saftfluss des Baumes. 

Schutzgebiete sind unabdingbar für den Fortbestand des Großen Eichenbock!

(Foto: Doris Lerch)

Für den Fortbestand der verbliebenen Populationen dieser seltenen Käferart ist es deshalb unabdingbar, dass man ihnen die benötigten Lebensräume eigens als Schutzgebiete widmet. Denn im Wirtschaftswald wird kein Forstmann auf hundertjährige Eichen verzichten wollen. Doch genau in diesem Alter erst fangen die Eichen an, für den Großen Eichenbock interessant zu werden. Hinzu kommt, dass er als wärmeliebender Käfer Wert legt auf frei stehende, gut besonnte Brutbäume. 

Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Käfer sehr ortstreu sind und sich selten weiter als 3 km von ihrem Brutbaum entfernen. Soll es also nicht zu einer genetischen Isolation der einzelnen Populationen kommen, was nahezu zwangsläufig mit deren Aussterben enden würde, müssen die für den Käfer notwendigen Lebensräume dicht genug in einem vernetzten System beisammen liegen. So könnte beispielsweise der Wiederaufbau von Hartholzauen entlang unserer großen Flüsse neben dem Hochwasserschutz auch dem Eichenbock zugute kommen. 

(Text: Herwig Winter; Quelle: https://www.bund-hessen.de/arten-entdecken/eichenbock/)

NABU Rödermark lädt ein zu einer Führung durch die Baierhansenwiesen und dem Lehr- und Kräutergarten in Sprendlingen

Die renaturierten Baierhansenwiesen zwischen Dreieich-Sprendlingen und -Buchschlag sowie der dort angelegte Lehr- und Kräutergarten sind Ziel einer Exkursion des NABU Rödermark am Sonntag, dem 28. August, zu der der NABU alle Interessierten herzlich einlädt.

Als im Jahr 2015 der Plan reifte, die vernachlässigten Baierhansenwiesen als Naherholungsgebiet wiederherzustellen, schlugen Dreieicher Bürger die Anlage eines Kräuter- und Gemüsegartens vor. Dank der tatkräftigen Unterstützung zahlreicher Vereine und Firmen aus Dreieich schaffte es die Initiative, binnen kurzer Zeit das Grundstück von 150 Kubikmetern Müll zu befreien. Mit Hilfe von Fachfirmen entstanden auf der 1.000 Quadratmeter großen Fläche in nur wenigen Wochen Beete mit 80 Heil- und Wildkräutern, ein Gemüsegarten mit einer Kräuterspirale für Küchenkräuter, ein Bienenstock und eine kleine Streuobstwiese. Seit der Eröffnung am 29. Mai 2016 erfreut sich der Garten großer Beliebtheit. Allein 2021 kamen über 12.000 Besucher, um sich an der grünen Oase zu erfreuen.

Die Exkursionsteilnehmer erwartet eine ca. 90-minütige Führung durch die Baierhansenwiesen mit dem dort liebevoll angelegten Naturlehrpfad, der seit kurzem auch einen integrierten Wildbienenlehrpfad enthält. Im Anschluss folgt der Besuch des Kräutergartens, wo fachkundige Personen für Fragen bereitstehen.Treffpunkt ist entweder um 9:30 Uhr der Parkplatz vor dem Ärztehaus im Breidert. Es werden Fahrgemeinschaften gebildet, sodass auch Personen ohne eigene Fahrmöglichkeit teilnehmen können. Oder für Direktfahrer um 10 Uhr der Parkplatz am Angelweiher am Ende der Fichtestraße in Sprendlingen. Die Rückkehr ist für ca. 13:00 Uhr vorgesehen.

Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Infos unter nabu@pswerner.de oder 06074-2112030 (Dr. Rüdiger Werner).