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Besserer Schutz von Bodenbrütern

NABU fordert mehr Verständnis von Hundebesitzern

Frühling. Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen. Ein Spaziergang rund um Rödermark, über den Wiesen und Feldern trällert die Feldlerche ihr langgezogenes Lied. Diese Idylle könnte schon bald der Vergangenheit angehören, warnt die örtliche Gruppe des Naturschutzbundes (NABU). Denn der Feldlerche geht es schlecht. Der ehemalige Allerweltsvogels ist ein typischer Wiesenbrüter und mittlerweile der einzige, der in Südhessen noch in nennenswerter Zahl vorkommt. Doch auch die Zahl der Reviere der Feldlerche ist im Kreis Offenbach zwischen 1998 und 2015 um 64 % zurückgegangen. Die Tendenz ist weiter abnehmend. Noch schlechter ist es um den Bestand anderer Wiesenbrüter bestellt: minus 99 % beim Rebhuhn, im ganzen Kreis gibt es nur noch in Ober-Roden ein Brutpaar des Kiebitzes, Schwarzkehlchen, Wiesenpieper, Schafstelze und Heidelerche sind extrem selten, Grauammer, Steinschmätzer, Braunkehlchen, Bekassine, Wachtelkönig, Wachtel sind als Brutvögel aus dem Kreis Offenbach verschwunden und auch der Feldhase steht mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Foto: Neil Smith
Foto: Neil Smith

Die Gründe für diesen Rückgang sind vielfältig, bundesweit ist es vor allem die fehlgeleitete Landwirtschaftspolitik, in unserer Region kommt dem hohen Freizeitdruck und der fehlenden Rücksichtnahme von Spaziergängern mit und ohne Hund aber ebenfalls eine hohe Bedeutung zu. Geht man in Feld und Wald spazieren, stellt man fest, dass viele Spaziergänger die befestigten Wege verlassen, dass es immer mehr in Mode kommt, querfeldein zu laufen und dass dabei gefühlt mehr als die Hälfte aller Hunde unangeleint herumtollt. Die Jahreszeit spielt dabei kaum eine Rolle. Dabei brauchen die Tiere gerade jetzt im Frühjahr ihre Ruhezonen, um ungestört ihre Jungen großziehen zu können. Durch das unüberlegte Verhalten der Spaziergänger gibt es diese so gut wie nicht mehr. „Oft wird argumentiert <<aber hier ist doch weit und breit nichts, was man stören könnte>>“, berichtet der örtliche NABU-Vorsitzende Dr. Rüdiger Werner. „Genau das ist das Ziel der Tiere – so versteckt und unauffällig wie möglich zu bleiben. Man sieht das Gelege oder den Junghasen oft erst, wenn man drauftritt bzw. er vor den Füßen aufschreckt – und dann ist es bereits zu spät.“

Der Gesetzgeber hat zum Schutz der Tiere die Setz- und Brutzeit festgelegt, die bei uns am 1. März beginnt und Mitte Juni endet. In dieser Zeit dürfen Bürger außerhalb der bebauten Gebiete keine Wiesen mähen, keine Hecken und Bäume schneiden oder fällen, kein Brennholz machen und im Wald und in Landschaftsschutzgebieten gilt für Hunde in Rödermark Leinenzwang. Doch reicht das? Der NABU sagt um letzten Punkt ganz klar: nein! Säugetiere und Vögel kennen die Grenzen von Landschaftsschutzgebieten nicht. Sie setzen ihre Jungen und brüten auch in Gebieten, in denen es keinen Leinenzwang gibt. „Nur weil etwas nicht verboten ist, heißt das noch lange nicht, dass es auch verantwortungsvoll und richtig ist“, betont Dr. Werner. „Das Querfeldeinlaufen im Frühjahr ist aus unserer Sicht nicht verantwortungsvoll. Wir unterstellen dabei niemandem eine böse Absicht, aber die persönliche Freiheit des Einzelnen wird so in ihrer Gesamtheit zu einem großen Problem für unsere Tierwelt.“ Um die Tiere bei der Jungenaufzucht nicht zu stören, sollten in der Zeit von März bis Juni laut NABU in Wiesen und Wäldern die Wege generell nicht verlassen werden, unabhängig davon, ob es dort einen gesetzlichen Leinenzwang für Hunde gibt oder nicht. Das gilt für den Mensch ohne Hund genauso wie für den mit tierischem Begleiter. Häufig wird auch missachtet, dass das Betreten von Flächen für die landwirtschaftliche Produktion generell verboten ist.

„Ebenfalls zugenommen hat die Unverschämtheit vieler Menschen, wenn man sie freundlich anspricht und sie über ihr Fehlverhalten aufklären möchte“, erläutert die stellvertretende NABU-Vorsitzende Birgit Weimann. „Man traut sich kaum noch, überhaupt jemanden anzusprechen, weil man sehr schnell beschimpft und teilweise sogar beleidigt wird und teilweise Angst haben muss, körperlich unversehrt aus dem Gespräch heraus zu kommen. Dabei möchten wir nicht bevormunden, sondern nur auf die Probleme aufmerksam machen, die durch das Querfeldeinlaufen und den Freilauf für die Hunde entstehen.“

Enttäuscht ist der NABU Rödermark auch von der Politik. Vor mehr als 2 Jahren gab es einen einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, alle Beteiligten (Landwirte, Jäger, Naturschützer, Hundebesitzer) an einem runden Tisch zusammenzuholen und gemeinsam zu überprüfen, ob die aktuellen Regelungen zur Setz- und Brutzeit wirksam genug sind, und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Geschehen ist seitdem – nichts.

Aus Sicht des NABU sollte die entsprechende städtische Satzung modifiziert werden. Im Moment werden gerade die Gebiete, in denen die letzten Wiesenbrüter brüten, nicht geschützt. Das sollte korrigiert werden. Insgesamt glaubt der NABU aber nicht, dass die Verschärfung der gesetzlichen Regelung das Allheilmittel ist. Vielmehr setzen die Naturschützer auf Aufklärung und werben um Verständnis bei den Spaziergängern und Hundebesitzern „Bleiben Sie in den nächsten Monaten bitte auf den Wegen, meiden Sie nach Möglichkeit Trampelpfade, laufen Sie nicht querfeldein und lassen Sie ihre Hunde nicht mitten auf der Wiese herumtollen. Nehmen Sie sich besonders in dieser Zeit ein klein wenig zurück und zeigen Verständnis für die Bedürfnisse der Tiere“, so der abschließende Appell von Dr. Werner. „Nur so haben wir eine Chance, dass auch die nächste Generation noch Feldhase, Feldlerche und Co. in unserer Gemarkung bestaunen kann.“

Termine

NABU-Stammtisch

Donnerstag, 21. Dezember 2017

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