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NABU Rödermark sagt sog. Schottergärten den Kampf an

24.01.2021

Seit vielen Jahren versucht der NABU Rödermark, Hauseigentümer zu überzeugen, ihre Gärten ökologischer zu gestalten, um mehr Grün in die Stadt zu bringen und dem allseits zu beobachtenden Artenrückgang entgegenzuwirken. Vor knapp zwei Jahren wurde hierzu die Initiative ‚Natur zurück in die Stadt‘ gegründet, die mittlerweile auch schon beachtliche Erfolge aufweisen kann. Auch ist durchaus ein Trend hin zu mehr Naturgärten zu beobachten, der durch überschüssige Freizeit mancher Eigentümer während des ersten Corona-Lockdowns verstärkt wurde.

Doch es gibt eine andere Seite der Medaille. In den letzten Jahren ist leider auch eine Zunahme von Schottergärten zu beobachten – sehr zur Sorge der Naturschützer. 2017 waren schon 15 % der Vorgärten in Deutschland größtenteils versiegelt, d.h. mit gepflastert oder mit Schotter und Kies bedeckt – mit steigender Tendenz.

Gerade in Neubaugebieten sind die – meist sehr kleinen – Gärten oft ökologische Wüsten. Standard sind hier für die Tierwelt faktisch nutzlose Thuja- oder Kirschlorbeerhecken kombiniert mit Rollrasen ohne jegliche Wildkräuter – oder eben Schottergärten. Argumentiert wird meist mit „mein Garten muss pflegeleicht sein, ich habe keine Zeit für Gartenpflege“ oder „ich bin zu alt und kann mich nicht mehr um meinen Garten kümmern“. Doch dies sind Scheinargumente. Irgendwelche Pflanzensamen schaffen es doch, zwischen den Steinen zu keimen und die Beseitigung dieser „Unkräuter“ – entweder hänisch oder mithilfe giftger Herbizide – ist in der Regel aufwändiger als die Pflege eines Wildstauden-Naturgartens.

„Schottergärten haben zahlreiche negative Folgen für das Mikroklima und die biologische Vielfalt. In Zeiten des Klimawandels werden Begrünungen für das Stadtklima immer wichtiger. Schon heute ist es in unseren Städten mehrere Grad wärmer als in der umgebenden Wald- und Feldflur. Steine verstärken diesen Effekt. Sie heizen stark auf, nachts kühlen sie nur langsam ab und sorgen so für eine weitere Aufheizung der Städte. Schottergärten bieten kaum Lebensraum für Tiere wie Insekten, Regenwürmer, Spinnen und Vögel. Da gerade dem menschlichen Siedlungsraum eine große Bedeutung beim Thema Erhalt der Artenvielfalt zukommt, sind Schottergärten eine Bedrohung der Biodiversität. Und da sie durch eine fehlende Humusschicht kein Wasser speichern können, fördern sie bei Starkregenereignissen Überschwemmungen und vollgelaufene Keller“, fasst der NABU-Vorsitzende Dr. Rüdiger Werner die Nachteile von Schottergärten zusammen.

„Wir werden weiter versuchen, z.B. mit Infomationsschildern und Musterflächen aus heimischen Wildpflanzen, wie beispielsweise am sog. Kranichkreisel geschehen, die Bürger zu überzeugen, naturnahe Gärten anzulegen“, sagt NABU-Vorstandsmitglied und Mitinitiatorin der Aktion 'Natur zuück in die Stadt'  Doris Lerch, „doch wir wissen, dass alleine durch unsere Aufklärungarbeit keine wirkliche Trendumkehr zu erreichen ist.

Der „Schottergarten“ Kranichkreisel vor der Umgestaltung durch engagierte Bürger im Herbst 2020. Schotter wurde entfernt, Substrat aufgebracht und heimische Wildstauden gepflanzt. Nach wenigen Jahren könnte der Kreisel aussehen wie im 2. Bild gezeigt. (©: Doris Lerch)

Dabei ist ein richtig angelegter Wildstauden-Naturgarten nicht nur viel schöner anzusehen, er bietet nicht nur Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren, er ist dazu auch nachweislich pflegeleichter als ein Ziergarten oder eben auch ein Steingarten.“ Aus diesen Gründen fordert der NABU Stadt und Politik auf, als zusätzliche Maßnahme für Rödermark eine Vorgartensatzung zu erlassen, die das Anlegen von geschotterten Steingärten nicht mehr zulässt. „Wir sind überzeugt“, so Doris Lerch abschließend, „dass diese Maßnahme zusammen mit einer städtischen Aufklärungskampagne mithilfe naturnah gestalteten öffentlichen Grün als Musterflächen – gerne mit Unterstützung der Aktion ‚Natur zurück in die Stadt‘ – dazu führen könnte, den Anteil der ökologischen Steinwüsten auf Rödermärker Grundstücken zu verringern, das Mikroklima zu verbessern und dem Artenschwund entgegenzuwirken.“ 

Flaute an der Futterstelle – warum in diesem Jahr weniger Vögel an die Futterstellen kommen

24.01.2021

In den letzten Wochen erreichen den NABU viele besorgte Anfragen, weil vor allem typische Gartenvogelarten wie Meisen, Finken und Amseln an der Futterstelle ausbleiben und plötzlich aus den Gärten verschwunden seien. Viele Naturfreunde machen sich nun Sorgen, dass sie etwas falsch machen oder den Vögeln etwas zugestoßen sein könnte.
„Wir können hier weitgehend Entwarnung geben“, sagt der Vorsitzende des NABU Rödermarks Dr. Rüdiger Werner. „Die winterliche Gartenvogelwelt wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Neben dem aktuell verfügbaren Nahrungsangebot in Wald und Flur sowie dem Verlauf der zurückliegenden Brutperiode gehören dazu der Zuzug von Wintergästen aus dem Norden und die momentane Großwetterlage, aber auch der generelle Zustand ihrer Lebensräume. In diesem Jahr kommen viele Faktoren zusammen, die dafür sorgen, dass wir weniger Vögel in unseren Gärten beobachten, wie auch die Auswertung der aktuellen NABU-Zählaktion „Stunde der Wintervögel“ bestätigt.“

Der NABU konnten anhand dieser langjährigen Zählung nachweisen, dass die winterlichen Vogelbeobachtungen in den Gärten stark von der Witterung abhängen. In kalten und schneereichen Wintern kommen deutlich mehr Vögel in die Nähe der Menschen. Die lange Reihe zunehmend milder Winter führte zuletzt zu sinkenden Beobachtungen von Wintervögeln. Solange Eis und Schnee weitgehend ausbleiben, finden viele Vogelarten ausreichend Nahrung und sind nicht gezwungen, Futterhäuschen in Gärten aufzusuchen. Zudem sind viele Wintergäste, die sonst in großer Zahl unsere Gärten und Wälder bevölkern, noch nicht oder in nicht so großer Anzahl eingetroffen. Dazu gehören zum Beispiel Kohlmeisen, Gimpel, Zeisige sowie Buch- und Bergfinken aus Skandinavien und Osteuropa.

Zwar nehmen auch bei häufigen Arten die Individuenzahlen in den einzelnen Gärten weiter ab, auf der anderen Seite füttern aber auch mehr Menschen als früher. Die Vögel können sich heute also über mehr Futterstellen verteilen, als dass früher der Fall war. Hinzu kommen die Effekte der vergangenen trockenen Sommer auf den Wald, die ein Waldsterben bisher unerreichten Ausmaßes hervorgerufen haben. „Was für den Wald schlecht ist, ist für die Vogelwelt erst einmal gut“, sagt Dr. Werner, „denn die sterbenden Bäume reagieren mit Notfruchtungen, erhöhen somit das Samenangebot und bieten zudem selbst Nahrung für eine Vielzahl von Insekten, die wiederum Nahrung für die Vögel sind. Die Folge ist, dass das Nahrungsangebot im Wald aktuell sehr hoch ist. Gerade unsere Buchen tragen in diesem Winter reichlich Samen tragen, wodurch viele Waldvögel, wie z.B. Buchfink und
Kernbeißer, den Wald für die Futtersuche gar nicht verlassen müssen.

Bei einigen Vogelarten ist aber tatsächlich ein Abwärtstrend zu beobachten. Trichomaden bei den Grünfinken, das Usutu-Virus bei der Amsel und eine neue, bakteriell verursachte Lungenentzündung bei der Blaumeise haben deren Bestände 2020 zum Teil deutlich reduziert. Zu schaffen machen der Vogelwelt auf jeden Fall auch die veränderten Lebensbedingungen. In der Agrarlandschaft wie auch im Siedlungsbereich fallen immer mehr wertvolle Strukturen wie zum Beispiel vogelfreundliche Hecken weg. Durch strukturarme landwirtschaftliche Nutzflächen und sterile Gärten finden Vögel immer weniger natürliche Futterquellen und Nistmöglichkeiten. So sind Vogelarten, die noch vor kurzen zu den Allerweltsarten gehörten, wie z.B. der
Feldsperling, heute in Rödermark kaum noch zu finden.

„Ein naturnaher Garten mit vielen Stauden und heimischen Sträuchern ist die beste Ganzjahreshilfe für unsere gefiederten Freunde im Siedlungsbereich“, so Dr. Werner abschließend. „Er bietet mehr Struktur und Rückzugsmöglichkeiten und damit Schutz und Nistplätze. So sitzen die Vögel bei der Futtersuche nicht gleich auf dem Präsentierteller und fühlen sich im Garten wohler. Wer die ausgeblühten Pflanzen stehen lässt, ermöglicht es den Vögeln, sich im Winter an Samen und überwinternden Insekten zu bedienen. So lassen sich auch ganz ohne Futterstelle Gartenvögel beobachten“. Wer trotzdem gerne füttern möchte, sollte unbedingt auf eine sorgfältige Futterplatzhygiene achten, um eine Ausbreitung von Vogelkrankheiten zu vermeiden.

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